Die Hüter Australiens: Aboriginal und Torres Strait Islander People

Wussten Sie das? Die Ureinwohner Australiens besiedelten als erste Völker den australischen Kontinent. Sie sind seit mindestens 50.000 Jahren hier zu Hause und repräsentieren damit die älteste noch lebendige Kultur unserer Erde. Die Aboriginal und Torres Strait Islander People sehen sich als die "traditionellen Hüter des Landes". Seit der Ankunft der Europäer vor rund 250 Jahren hat sich ihr Leben drastisch verändert.
Rituale und Traditionen mit uraltem Ursprung
Einer der größten Unterschiede zwischen unserer westlichen Kultur und der Kultur der Aboriginal und Torres Strait Islander People Australiens ist, dass das Augenmerk in der westlichen Welt auf Materialismus, Wissenschaft und Kapitalismus liegt. Aboriginal und Torres Strait Islander People dagegen betrachten das Leben aus einem spirituellen Blickwinkel – und unsere Denkweise ist ihnen bis heute fremd.
Laut ihrer naturverbundenen Weltanschauung ist alles in einem ewigen Kreislauf miteinander verbunden: Von der Pflanzenwelt über die Tiere bis hin zum Wetter, dem Nahrungskreislauf und den Menschen. Diese Verbindung zwischen Himmel und Erde spiegelt sich auch in der Flagge der Aboriginal und Torres Strait Islander People wieder: Die obere Hälfte ist schwarz gefärbt und steht für die Bevölkerung der Ureinwohner, die untere rote Hälfte symbolisiert die rote Erde des australischen Kontinents. Der gelbe Kreis in der Mitte stellt die Sonne dar.

Zurück in die Dreamtime, die Traumzeit
Die Kultur der Aboriginal und Torres Strait Islander People ist untrennbar mit der Natur verbunden. Diese zu bewahren und sich um ihren Erhalt zu kümmern, steht ganz oben in ihrem Weltverständnis. Einen ebenso wichtigen Stellenwert nimmt die “Dreamtime” ("Traumzeit") innerhalb ihrer Rituale ein.
Die Traumzeit steht für die Schöpfung und die Zeit, in der Erde und Menschheit entstanden sind. Aboriginal und Torres Strait Islander People glauben, dass sie zum Ursprung der Schöpfung zurückkehren, wenn sie schlafen. Auch die Seelen ihrer Verstorbenen kehren in die Traumzeit zurück. Die “Dreamtime-Stories” werden seit jeher mündlich von Generation zu Generation weitergegeben, aber auch durch Musik und Felsmalereien zum Ausdruck gebracht.

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Didgeridoo - das traditionelle Musikinstrument
Für das Musizieren ist das Didgeridoo das bekannteste Musikinstrument - ein langes ausgehöhltes Eukalyptusholz. Die ältesten Felsmalereien finden sich vor allem im Nordwesten Australiens und in Arnhemland, wo einige Kunstwerke bis zu 45.000 Jahre alt sind.
Das heutige Australien ist multikulturell. Mit ca. 26 Millionen Menschen und mehr als 160 gesprochenen Sprachen ist der Fünfte Kontinent ein Schmelztiegel der Kulturen.
— Andrew Morten, unser Gründer und Australien-Experte




Ein Lied als Landkarte: auf einem Walkabout
Eine weitere wichtige Tradition, die zur Kultur der australischen Ureinwohner gehört, ist der “Walkabout”. Dabei macht sich ein männlicher Aboriginal und Torres Strait Islander mit Hilfe gesungener Lieder auf den Weg, um sein Land auf einem festgelegten Pfad zu durchwandern (“Songline”). Der Song weist mittels markanter Beschreibungen der örtlichen Landschaft den korrekten Weg. Auf diese Weise verbinden sich Aboriginal und Torres Strait Islander People mit ihrem ureigenen “Traumpfad” und ihrem Land. Diese traditionelle Wanderung beginnt spontan und kann Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern, um auf den Spuren der Vorfahren zu wandeln.
Heutzutage ist der Walkabout ein Ritual, durch das die Identität der australischen Ureinwohner-Kultur bewahrt wird. Aufgrund Veränderungen in der Landschaft und der Natur ist es jedoch zunehmend schwer, diesen uralten Brauch aufrechtzuerhalten. Wenn beschriebene markante Stellen in der Natur wie Bäume, Felsen, Wasserlöcher etc. nicht mehr vorhanden sind, gleicht das einem Heimatverlust und einem Verlust der kulturellen Identität, der an heiligen Stätten besonders intensiv zum Tragen kommt.

Mit der Natur verbunden: jagen, sammeln, bewahren
Die Ureinwohnerinnen und -einwohner Australiens waren Jägerinnen und Nomaden. Sie lebten in ihrer Kultur hauptsächlich in kleinen Stämmen (“Clans”) von 5 bis 6 Personen bis hin zu Stämmen, die zwischen 30 bis 40 Mitglieder umfassten. Jeder Stamm gehörte zu einer breiteren Stammesgruppe (“Nation”), die in verschiedenen Regionen siedelten. In der Zeit vor der Kolonisation gab es bis zu 250 solcher Gruppen, die alle ihre eigene Sprache hatten. Es gab Kontakt untereinander, und verschiedene Stämme trafen sich regelmäßig für festliche Zeremonien, zu rituellen Gefechten und Eheschließungen. Mit der Außenwelt und anderen Zivilisationen gab es so gut wie keinen Kontakt.
Das Leben der Aboriginal und Torres Strait Islander People blieb bis zur Ankunft der Europäer im Jahr 1788 im Gebiet des heutigen Sydney ohne äußere Einflüsse. Sie betrieben nur in ganz wenigen Regionen Landwirtschaft im kleinen Maß. Traditionell jagte man Tiere mit dem Boomerang oder einem Woomera (eine Erweiterung des Speerwerfens). Für die Jagd und die Zubereitung der erbeuteten Tiere waren die Männer zuständig. Die Frauen sammelten Pflanzen, Wurzeln und Beeren und kümmerten sich um die Familie.

Mündlich überliefertes Wissen
Die Art der Nahrung war abhängig von mehreren Faktoren: der Jahreszeit, dem bewohnten Gebiet und dem Alter der Menschen. In vielen überlieferten Erzählungen steckt das Wissen, an welchen Orten man am besten jagt, welche Pflanzen essbar sind oder zu welcher Zeit und an welchem Ort Wasser in der Wüste gefunden werden kann. Aboriginal und Torres Strait Islander People sehen sich seit jeher als integrierter Teil der Natur. In ihren Augen muss der ewige Kreislauf respektiert, gehütet und stets bewahrt bleiben.

Wiederversöhnung
Im Jahr 2008 entschuldigte sich der damalige australische Premierminister Kevin Rudd zum ersten Mal öffentlich gegenüber den Aboriginal und Torres Strait Islander People für alles Erlittene und Erduldete. Die australische Ureinwohner-Kultur gilt als eine der ältesten der Erde und es gelingt den Ureinwohnern Australiens seit diesem historischen "Sorry" im Jahr 2008 immer besser, die alten Traditionen wieder öffentlich zu leben und diese zu teilen.
Derzeit leben in Australien rund eine halbe Million Aboriginal People. Das sind etwa 2,5 % der Bevölkerung. In jeder Stadt finden Sie ein Kulturzentrum oder ein Museum, das sich der Kultur und Geschichte der Ureinwohner in Australien widmet. Hier können Sie mehr über ihre Kunst, Erzählungen, Geschichte und Kultur erfahren. Lassen Sie sich von einem einheimischen Guide mehr über ihre besondere Lebensweise näherbringen.








